Die Beteiligung kleiner Betriebe am Ausbildungsgeschehen: Entwicklung der Ausbildungsbetriebsquote

Einführende Erläuterungen

Um Fachkräfte auszubilden, benötigt das deutsche System der dualen Ausbildung (a) ausreichend ausbildungswillige Menschen, (b) die erforderliche staatliche Infrastruktur in Form von Berufsschulen und (c) schließlich auch die ausbildenden Betriebe. Ob Betriebe ausbilden, hängt unter anderem mit der Betriebsgröße zusammen: Bundesweit beträgt die Ausbildungsbetriebsquote für die großen Betriebe 81,8%, für die mittelgroßen 64,6%, für die kleinen Betriebe 41,2% und für die Kleinstbetriebe 9,8%.[1] Die Ausbildungsbetriebsquote ergibt sich als Anteil der ausbildenden Betriebe an allen Betrieben in der jeweiligen Größe mit sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Die Abbildung zeigt die Entwicklung der Ausbildungsbetriebsquote der kleinen Betriebe – die immerhin etwa ein Viertel aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse stellen[2] – in den Revieren und Deutschland insgesamt. 

Gemeinsamkeiten der Reviere

  • In allen Revieren und Deutschland handelt es sich um eine langsame Entwicklung: Veränderungen von Jahr zu Jahr liegen kontinuierlich bei unter anderthalb Prozentpunkten, es gibt keine größeren Sprünge – dafür aber relativ eindeutige Trends.
  • In den letzten 10 Jahren kommt es zu einer zunehmenden Angleichung der Werte. 

Unterschiede zwischen den Revieren

  • Das Niveau zwischen den Revieren unterscheidet sich deutlich. 2023 liegt die Spannweite zwischen 36,5% im mitteldeutschen Revier und 44,7% im Rheinischen Revier.
  • Die Trendrichtungen unterscheiden sich: Die Entwicklung im mitteldeutschen und Lausitzer Revier verläuft von deutlich unterdurchschnittlichen Werten ansteigend, im Rheinischen Revier sinken die deutlich überdurchschnittlichen Quoten. 

Denkanstöße

  • Betriebe benötigen Fachkräfte, und umgekehrt benötigt Fachkräftesicherung durch duale Ausbildung auch ausbildende Betriebe. Es kann viele Gründe geben, warum Betriebe nicht ausbilden: Mangelnde Berechtigung, fehlende Bewerber*innen, mangelnde Ressourcen oder – je nach Tätigkeitsbereich – auch, dass für die Stellen im Betrieb keine durch duale Ausbildung zu erwerbenden Qualifizierungen gebraucht werden. Ohne die hinter den unterschiedlichen Dynamiken stehenden Faktoren quantifizieren zu können, zeigt sich für das mitteldeutsche und Lausitzer Revier aber, dass es hier einen zunehmenden Anteil – und im Übrigen auch eine zunehmende Anzahl – kleiner Betriebe gibt, die sich am Ausbildungsgeschehen beteiligen. 
  • Im Rheinischen Revier hingegen sinkt die Ausbildungsbetriebsquote der kleinen Betriebe. Diesem Befund liegt ein Anstieg der kleinen Betriebe insgesamt zugrunde: Es bilden hier nicht weniger kleine Betriebe aus (im Gegenteil), aber Ihr Anteil hat sich verringert. Neben der Spurensuche nach den konkreten Ursachen erscheint es im Sinne der Reduktion eines sich weiter abzeichnenden Fachkräftemangels sinnvoll, mit den kleinen Betrieben ins Gespräch über die Nutzung von z.B. Instrumenten wie der Bildung von Ausbildungspartnerschaften[3] zu gehen und ggf. weitere Perspektiven und Instrumente zu entwickeln. 

[1] Im Folgenden werden folgende Bezeichnungen für die Betriebe verwendet: „Kleinstbetriebe“ für bis unter 10, „kleine Betriebe“ für 10 bis unter 50, „mittelgroße Betriebe“ für 50 bis unter 250 und „große Betriebe“ für 250 oder mehr sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. 

[2] In Deutschland insgesamt zum Stichtag 30.06.2024 beträgt die Verteilung der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten laut Daten der Bundesagentur für Arbeit (Produkt: Betriebe nach Betriebsgrößenklassen, eigene Berechnung): 31,8% in großen Betrieben, 26,8% in mittelgroßen Betrieben und 26,1% in kleinen Betrieben und 15,3% in Kleinstbetrieben.

[3] Bahl, Anke et al. (2023): Betriebliche Ausbildungspartnerschaften von KMU: Vier Fallanalysen zu Struktur und Praxis. Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB): Bonn. nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0035-1072-2

 

PDF: Datenbasierte Denkanstöße 9 (Text und Grafik)

05.06.2025
PDF: Datenbasierte Denkanstöße 9 (Text und Grafik)
Datenbasierte Denkanstöße 9: Die Beteiligung kleiner Betriebe am Ausbildungsgeschehen: Entwicklung der Ausbildungsbetriebsquote (PDF)