Dynamiken bei sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ohne beruflichen Bildungsabschluss in der letzten Dekade

Einführende Erläuterungen

Nachdem der letzte “Datenbasierte Denkanstoß” den Anteil von Personen ohne beruflichen Bildungsabschluss in verschiedenen Bevölkerungsgruppen dargestellt hat, wollen wir auch 2025 an dieses Thema anknüpfen, aber diesmal Dynamiken in den Blick nehmen. Konkret: Die Dynamiken der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten innerhalb der letzten 10 Jahre.

Datengrundlage sind die Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) zu den Stichtagen 30. Juni 2014 und 30. Juni 2024. Die Abbildung zeigt die Veränderungsrate (in %) zwischen diesen beiden Zeitpunkten für (1.) die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten insgesamt und (2.) die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ohne beruflichen Bildungsabschluss. 

Gemeinsamkeiten der Reviere

  • In den letzten 10 Jahren gab es in allen Revieren und Deutschland insgesamt einen Anstieg der Anzahl sozialversicherungspflichtiger Beschäftigungsverhältnisse.
  • In allen Revieren sowie Deutschland insgesamt ist auch die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ohne beruflichen Bildungsabschluss gestiegen – und zwar überproportional zum Gesamtanstieg der Beschäftigten.[1]

Unterschiede zwischen den Revieren

  • Während sich im Lausitzer und im mitteldeutschen Revier die Anstiege der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten insgesamt unter dem bundesdeutschen Durchschnitt bewegen, liegt das Rheinische Revier über diesem Wert. Insbesondere in der Lausitz fällt der Anstieg sehr gering aus. 
  • Die Unterschiede im relativen Anstieg der Beschäftigten ohne beruflichen Bildungsabschluss fallen sehr groß aus: Ist es im Rheinischen Revier etwa ein Drittel mehr als 2014, so gab es im Lausitzer Revier ein Plus von knapp zwei Dritteln. In Mitteldeutschland dagegen hat sich die Anzahl sogar knapp verdoppelt. 

Denkanstöße

  • Beschäftigte ohne beruflichen Bildungsabschluss machen zwar immer noch eine Minderheit aus (Deutschland: 13%, Rheinisches Revier: 15%, Mitteldeutschland: 9%, Lausitz: 7%), allerdings steigt ihr Anteil überproportional. Deutsche Unternehmen berichten zunehmend, keine Fachkräfte für offene Stellen zu finden.[2] Vor diesem Hintergrund lässt sich vermuten, dass dieser Anstieg nicht unbedingt den Qualifikationsbedarfen der Arbeitgeber entspricht, sondern zumindest teilweise einen ungedeckten Fachkräftebedarf kompensiert hat.[3] Wenn Fachkrafttätigkeiten nicht adäquat besetzt werden können, besteht hier für die Unternehmen möglicherweise das Risiko von Produktivitätsverlusten.[4]
  • Die zunehmende Arbeitsmarktintegration von Personen ohne anerkannte Berufsausbildung in der letzten Dekade bedeutet einerseits eine Erhöhung gesellschaftlicher Teilhabe für diese Bevölkerungsgruppe. Sofern diese Erwerbstätigkeit jedoch nicht durch stabile Beschäftigungsverhältnisse – und bestenfalls auch weitere Qualifizierungen – abgesichert wird, läuft es gesellschaftsstrukturell im worst case auf eine Zunahme von „working poor“ und prekären Arbeitsverhältnissen hinaus.

[1] In absoluten Zahlen handelt es sich hier um folgende Anstiege von 2014 zu 2024: In der Lausitz von 20 055 auf 33 015, in Mitteldeutschland von 38 932 auf 77 458, im Rheinischen Revier von 111 324 auf 149 143 sozialversicherungspflichtig Beschäftigteohne anerkannten Berufsabschluss.

[2] z.B. Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) (2023): DIHK Report Fachkräfte 2023/2024. 

[3] Vgl. hierzu auch Randstad, ifo (2024): Randstad-ifo-Personalleiterbefragung.  

[4] Vgl. auch Ebner, Christian (2018): Unterqualifikation – eine sozialwissenschaftliche Perspektive. In: Bertelsmann Stiftung (Hg.): Formale Unterqualifikation auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Neue Forschungsergebnisse und interdisziplinäre Einordnung. Gütersloh.

 

PDF: Datenbasierte Denkanstöße 8 (Text und Grafik)

20.02.2025
Datenbasierte Denkanstöße 8: Dynamiken bei sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ohne beruflichen Bildungsabschluss in der letzten Dekade (PDF)
Datenbasierte Denkanstöße 8: Dynamiken bei sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ohne beruflichen Bildungsabschluss in der letzten Dekade