Datenbasierte Denkanstöße 1/2026: Neuzugänge im Übergangssektor

Einführende Erläuterungen

Als Schnittstelle zwischen Schule, beruflicher Ausbildung und Arbeitsmarkt gewinnt der Übergangssektor angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels an Bedeutung. Zugleich steht er aufgrund seiner als gering eingeschätzten Effektivität, gemessen u. a. an niedrigen Übergangsquoten in Ausbildung und Beschäftigung sowie langer Verweildauer, in der Kritik.[1]  Die NBR-Denkanstöße im Jahr 2026 werfen quantitative Schlaglichter auf diesen Sektor. 

Die Grafik zeigt die Entwicklung der Anzahl neuer Schüler:innen an Berufskollegs im Übergangssektor im Vergleich zu denen in beruflicher oder schulischer Ausbildung an Berufskollegs im Rheinischen Revier und NRW insgesamt. Grundlage ist der Allgemeine Schuldatensatz von IT.NRW. Das Jahr 2014 dient als Basisjahr, dargestellt ist jeweils die prozentuale jährliche Veränderung im Verhältnis zu diesem Basisjahr. Tabelle 1 kontextualisiert die Darstellung mit einer Übersicht zu den absoluten Zahlen 2014 und 2024. 

Tabelle 1: Anzahl neuer Schüler:innen im Übergangssektor sowie dualer/schulischer Ausbildung an Berufskollegs im Rheinischen Revier und NRW 2014 und 2024. Daten: Allgemeiner Schuldatensatz, IT.NRW, eigene Berechnung und Darstellung.

Anzahl neue Schüler:innen 

Rheinisches Revier

Nordrhein-Westfalen

2014

2024

2014

2024

Schulische oder duale Ausbildung

13 836

13 385

131 385

123 795

Übergangssektor

6 979

7 195

53 349

58 460

 

Ergebnisse

  • In den Jahren 2015, 2016 und 2017 gab es zunehmende Schüler:innenzahlen im Übergangssektor,[2] die im Revier im Vergleich zu NRW überproportional ausfielen.

  • Mit der Pandemie gab es insgesamt einen deutlichen Abwärtstrend – während nach dem Ende der rigiden Maßnahmen 2022 im Übergangssektor wieder steigende Neuzugänge zu verzeichnen sind, verbleiben die Ausbildungsanfänger:innen unterhalb des vorpandemischen Niveaus.

  • Aktuell liegen die Neuzugänge im Übergangssektor sowohl in NRW als auch im Revier wieder über den Werten von 2014, wobei das Revier allerdings noch recht weit von den Höchstzahlen um 2016 entfernt ist, NRW aber eine aktuelle Höchstmarke erreicht hat.

Denkanstöße

  • Das überdurchschnittliche Wachstum der Neuzugänge im Übergangssektor an Berufskollegs führt zu einer veränderten Struktur der Schüler:innenschaft: Der Übergangssektor gewinnt quantitativ an Bedeutung. Da hier vermehrt strukturell benachteiligte Schüler:innen lernen (z. B. in Bezug auf Leistungen, Abschlüssen, sozioökonomischer Lage, Unterstützungsbedarfen, Zuwanderungsgeschichte u.v.m.),[3] steigen damit zugleich Anforderungen an pädagogische Konzepte, Beratungsangebote und individuelle Begleitung an den Berufskollegs.

  • Ein Ziel des Übergangssektors liegt darin, einen gelingenden Übergang in Ausbildung zu ermöglichen – letztere stagnieren aber sowohl in NRW als auch im Revier unterhalb des vorpandemischen Niveaus. Die dargestellten Entwicklungen deuten darauf hin, dass es verstärkt darum gehen muss, die Wirksamkeit des Übergangssektors hinsichtlich der Übergänge in den Blick zu nehmen und zu verbessern. 

  • Die in der Tabelle aufgeführten absoluten Werte zeigen dabei nachdrücklich das enorme Potenzial, das hier insbesondere im Rheinischen Revier liegt: Die Anzahl neuer Schüler:innen ist im Übergangssektor immerhin gut halb so groß wie in der dualen und schulischen Ausbildung zusammen. Der Übergangssektor ist damit kein Nebenschauplatz, sondern ein zentraler strategischer Baustein zur Fachkräftesicherung – die angesichts der demografischen Lage zunehmend an Relevanz gewinnt.  

 


[1] Vgl. Autor:innengruppe Bildungsberichterstattung (2024). Bildung in Deutschland 2024. Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zu beruflicher Bildung. wbv Publikation.; Ixmeier, S., Buck, P., & Münk, D. (Hrsg.). (2024). Chancen für Alle durch (berufliche) Bildung: Inklusion und Teilhabe für Menschen mit gesundheitlicher Beeinträchtigung (Berufsbildung, Arbeit und Innovation, 81). Bielefeld: wbv Media GmbH & Co. KG. https://doi.org/10.3278/9783763976386

[2] Zumindest teilweise durch erhöhte Zuwanderung ab 2015 begründet, vgl. Euler, D. (2022). Die Rolle des Berufskollegs im nordrhein-westfälischen Bildungssystem: Leistungspotenziale, Herausforderungen und Ansätze zur Weiterentwicklung. Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen & RuhrFutur gGmbH: S. 46.

[3] Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz (2025): Kompetenzen für den erfolgreichen Übergang von der Sekundarstufe I in die berufliche Ausbildung sichern. http://dx.doi.org/10.25656/01:32815

PDF: Datenbasierte Denkanstöße 11 (Text und Grafik)

27.03.2026
Datenbasierte Denkanstöße 11
Datenbasierte Denkanstöße 11: Verstetigung und Ausweitung der Assistierten Ausbildung? Dynamiken eines arbeitsmarktpolitischen Instruments