
Drei Fragen an Frank Neises zum neuen zynd-Portal für Berufsorientierung
1. Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen für junge Menschen bei der Berufswahl und was macht es aus Ihrer Sicht so anspruchsvoll, sich zu entscheiden?
Junge Menschen stehen heute vor einer sehr großen Auswahl an Bildungsangeboten, Ausbildungsberufen und Studiengängen. Diese Vielfalt macht es aber nicht einfacher, zu Entscheidungen zu kommen, im Gegenteil. Die Jugendforschung zeigt uns, dass viele Jugendliche am Übergang verunsichert sind. Die Berufswahl ist eng verbunden mit sehr persönlichen Entscheidungen und Fragen aus der Lebenswelt der Jugendlichen. Die identitätspsychologische Seite der Berufswahl, das soziale Umfeld, werden dabei bedeutender. Insofern halte ich es für wichtig, jungen Menschen möglichst vielfältige Räume zu geben, um sich zu erfahren, auszuprobieren und zu reflektieren, was zu ihnen passen könnte.
2. Was war der Impuls für das neue Portal und welche Ideen oder Lücken aus der bisherigen Praxis fließen konkret in die Gestaltung ein?
Die eben beschriebenen Erkenntnisse aus neueren Berufswahltheorien und damit verbunden die Stärkung von Reflexion, Problemlöse- und Handlungsfähigkeiten, waren für uns der Antrieb ein Portal aufzusetzen, das konsequent die Jugendlichen im Fokus hat. Dieser Fokus zeigt sich auf zynd.de nicht nur in der Ansprache und Gestaltung, sondern auch in der Konzeption unserer sogenannten Playlets. Playlets sind eine Mischung als Games und klassischen Lernangeboten, also ganz interaktive Tools. Der zusätzliche Gamification-Ansatz, den wir auf zynd integriert haben, soll junge Menschen auf spielerische Weise zur Auseinandersetzung mit den benannten Fragen anregen. Gleichzeitig war es uns aber auch wichtig, ein flexibel einsetzbares Angebot für Fachkräfte zu schaffen. Deshalb gibt es keine Beschränkung auf die Nutzung in einem spezifischen Kontext. zynd kann immer dann genutzt werden, wenn die Themen der beruflichen Orientierung und persönlichen Perspektiven auftauchen, sei es in der allgemein- oder berufsbildenden Schule, in Maßnahmen bei Bildungsträgern oder der Beratung in Jugendberufsagenturen. Fachkräfte können Jugendliche in virtuellen Gruppen und Einzelcoachings digital begleiten.
3. Welche Angebote oder Ansätze im Portal könnten für junge Menschen besonders hilfreich oder überraschend sein und warum?
Wir haben einige Playlets, die sehr stark auf Reflexion setzen. Da geht es nicht nur um die Berufswahl, sondern auch um die persönliche Situation, also wo die Jugendlichen sich sehen, und zwar nicht nur beruflich. Damit wollen wir Fragen der Beruflichen Orientierung mit denen der Lebenswelt auf möglichst unkomplizierte Weise koppeln.
Ein weiteres Beispiel ist unser Playlet „Preezy“ mit dem Jugendliche Praktika dokumentieren und reflektieren. Sie legen dort Praktika digital an, halten ihre Erfahrungen fest und beantworten Reflexionsfragen. Am Ende können sie ihre Ergebnisse speichern oder teilen.
Ich persönlich finde außerdem unsere 360°-Berufsfeldpanoramen sehr besonders: Hier können junge Menschen digital ganze Berufsfelder erkunden – unabhängig von Zeit und Ort. Die Panoramen sind ein niedrigschwelliger Einstieg, sich mit Berufsbildern auseinanderzusetzen und eine Möglichkeit Berufsfelder kennen zu lernen, die einem sonst verborgen bleiben. Durch die persönlichen Eindrücke der Auszubildenden erhalten Jugendliche einen authentischen Einblick in den Alltag ganz unterschiedlicher Berufe – eine Art „digitale Ausbildungsbotschafter“.
zynd.de ist ein kostenloses, bundesweit nutzbares Portal zur beruflichen Orientierung und Gestaltung des Übergangs von der Schule in den Beruf. Das Portal bietet spielerische Tools (Playlets) zur Selbstreflexion, Entscheidungsfindung und Planung des beruflichen Werdegangs. Diese können Jugendliche sowohl eigenständig als auch in Begleitung von Fachkräften nutzen. Zynd wird vom Bundesinstitut für Berufsbildung betrieben und vom Bundesbildungsministeriums gefördert.
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