Am 12. September 2025 trafen sich in Erkelenz Vertreter*innen aus Politik, Zivilgesellschaft und Wissenschaft zur 7. Entwicklungskonferenz des Bündnis Revier Wird Region. Wir vom Netzwerkbüro Bildung Rheinisches Revier (NBR) waren dabei und nutzten die Gelegenheit gemeinsam mit zum Partner*innen unseres Netzwerks wie dem Nell-Breuning-Haus, BUND, NABU, der Zukunftsagentur Rheinisches Revier (ZRR), Bilanz zu ziehen.
Politische Signale und kritische Rückfragen
Die Konferenz begann mit starken Impulsen: Bodo Middeldorf (ZRR) und Mona Neubaur (NRW-Ministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie) warfen in ihren Keynotes sowohl einen Rückblick auf bisherige Entwicklungen als auch einen Ausblick auf kommende Aufgaben.
Besonders wegweisend: Das Land NRW kündigte einen Bürgerrat Rheinisches Revier für 2026 an, der von der ZRR umgesetzt werden soll. Mona Neubaur unterstrich zudem, dass der Strukturwandel ohne zivilgesellschaftliches Engagement nicht gelingen kann. Sie stellte die Frage nach der Repräsentativität der bisherigen Prozesse – und betonte die Notwendigkeit, die Stimmen von Kindern, Jugendlichen und Auszubildenden stärker einzubeziehen.
Bilanz: Wo stehen wir im Strukturwandel?
In drei thematischen Bilanzierungsrunden wurden zentrale Fragen beleuchtet:
- Energiewende: Unsicherheit prägt den aktuellen Kurs, da das Kohleausstiegsdatum wieder infrage gestellt wird und Gas stärker in den Vordergrund rückt. Positiv bewertet wurde das Ziel des GigawattPakts. Kritisch angemerkt wurde dagegen der steigende Bedarf an Energie und Wasser durch große Unternehmensansiedlungen, während Bürgerenergie mehr politische Unterstützung und einen Zukunftsfond benötige.
- Bürger*innenbeteiligung: Der angekündigte Bürgerrat gilt als Meilenstein. Sorge bereitet dennoch den anwesenden Bürger*innen die Gefahr, dass das Beteiligungsformat wieder wenig tatsächliche Mitgestaltung und demokratische Einflussnahme auf die Strukturwandelmaßnahmen erlaubten. Genannt wurden Forderungen nach ortsbezogenen Formaten sowie einer Freiwilligenagentur.
- Lebenswerte Region: Als Schlüsselthema wurde die Bodenpolitik benannt, um Flächenkonflikte konstruktiv zu lösen. Ebenso wichtig: mehr Begegnungsräume als Antwort auf die Demokratiekrise sowie ein begleitendes Strukturwandelmanagement mit offenen Dialogrunden.
"5 Jahre vor dem Kohleausstieg": Podium und Fazit
Die abschließende Podiumsdiskussion zeichnete ein eher skeptisches Bild. Verschiedene Stimmen aus der Zivilgesellschaft beschrieben die aktuelle Phase als eine der Verarbeitung, Trauer und Vertrauensbildung. Gleichwohl wurden Erfolge sichtbar, etwa das Konzept zum integrierten Ökosystemverbundsystem, das nun Niederschlag in der Regionalplanung findet. Klar wurde auch: Der Strukturwandel braucht sichtbare und spürbare Ergebnisse, um Akzeptanz und demokratischen Rückhalt zu sichern.
Diskutiert wurden darüber hinaus gewerkschaftliche Perspektiven für Beschäftigte von wegfallenden Branchen, die Chancen grüner Industrieansiedlungen, aber auch Fragen von Geschlechtergerechtigkeit, Ausbildung, Weiterbildung und solidarischer Unterstützung junger Menschen.
Für das NBR hat sich auch in dieser Bilanzierung bestätigt: Bildung ist dabei weit mehr als ein begleitendes Element der Transformation – sie ist Voraussetzung dafür, dass Veränderung gelingt. Sie eröffnet jungen Menschen Orientierung, schafft Vertrauen in politische Prozesse und sichert Beschäftigten durch Qualifizierung und Weiterbildung Perspektiven in neuen Branchen. Bildung legt damit die Grundlage für Selbstwirksamkeit, Teilhabe und Zukunftsfähigkeit – und für einen Strukturwandel, der demokratisch legitimiert und sozial gerecht ist. Bildung bleibt ein Schlüsselfaktor, um Menschen im Rheinischen Revier zu befähigen, den Wandel nicht nur mitzutragen, sondern aktiv mitzugestalten.
