Was bedeutet der Strukturwandel für die berufliche Bildung im Rheinisch Revier?

Mitschnitt der digitalen Podiumsdiskussion vom 07. April 2022

Das Rheinische Revier steht vor einem großen wirtschaftlichen Umbruch, der Risiken und Chancen mit sich bringt. Ob es gelingt, die Chancen zu nutzen und die Risiken zu minimieren, hängt unter anderem davon ab, ob die vielfältigen Potentiale von Bildung genutzt werden um den Strukturwandel zu gestalten. Das gilt insbesondere für die berufliche Aus- und Weiterbildung, darüber hinaus selbstverständlich auch für die Hochschulbildung, für die Allgemeinbildung und für das ganze breite Spektrum der non-formalen Bildung.

Die Braunkohleförderung und -verstromung soll aufhören, Wirtschaften, Arbeiten und Leben im Revier sollen sich an den Prinzipien der Nachhaltigkeit ausrichten. Von den Menschen im Revier wird erwartet, dass sie sich diesen Veränderungen nicht nur anpassen, sondern sie mittragen und mitgestalten. Sie sollen nicht einfach damit konfrontiert werden, dass der bedeutendste Wirtschaftszweig der Region verschwindet und sich mit dieser Tatsache und ihren Folgen arrangieren müssen. Sie sollen vielmehr in dieser Entwicklung mitgenommen werde, ja sogar davon überzeugt werden, dass es sich lohnt, gewohnte Wege in Arbeit und Berufstätigkeit zu verlassen und neue zu beschreiten. Was hier mit den Menschen geschehen soll lässt sich ohne Weiteres als Lern- oder Bildungsprozess beschreiben: sie sollen eine sich verändernde Welt verstehen und ihr Handeln danach ausrichten.

Wichtig ist dabei aber:  Bildung darf den Veränderungen nicht hinterherlaufen, den Menschen im Nachhinein erklären, wie sich die Welt geändert hat. Bildung gestaltet Veränderungen mit und muss deshalb langfristig und strategisch – das heißt an Zielen ausgerichtet – geplant werden, damit die Menschen hier die neuen Perspektiven des Strukturwandels für sich entdecken, nutzen und mitgestalten können.

Mit dem Themenbericht zur beruflichen Ausbildung bietet das Netzwerkbüro eine Wissens- und Arbeitsgrundlage für die strategische Bildungsplanung im Rheinischen Revier. Er wirft Schlaglichter auf den Status Quo der beruflichen Ausbildung. Welche Felder hier ausgeleuchtet werden, wurde mit den Netzwerkpartnern aus Kommunen, vom Land, den Kammern, der Bundesagentur für Arbeit und aus der Wissenschaft gemeinsam festgelegt. Was in dem Bericht über die berufliche Ausbildung im Rheinischen Revier zu lesen ist, soll mit dieser Podiumsdiskussion bewertet, interpretiert und für die Gestaltung des Strukturwandels weitergedacht werden.

Gesucht wurden also Antworten auf die Frage, was sich ändern soll in der beruflichen Ausbildung, damit sie im Strukturwandel die aktive und gestaltenden Rolle einnimmt, die ihr zukommt. Denn in der beruflichen Ausbildung werden die Weichen gestellt für die Sicherung des Fachkräftenachwuchses, der den Strukturwandel erst möglich macht.

An der Diskussion haben fünf Expertinnen und Experten teilgenommen.

  • Frau Danielle Hamdan, Leiterin des Berufskollegs Volksgartenstraße für Wirtschaft und Verwaltung in Mönchengladbach
  • Frau Sybille Haußmann, Dezernentin für Arbeit, Bildung und Integration beim Kreis Düren
  • Herr Dr. Christian Henke, Geschäftsführer für Bildungsrecht und Bildungspolitik bei der Handwerkskammer Düsseldorf
  • Frau Elke Hohmann, Abteilungsleiterin Projektentwicklung bei der Zukunftsagentur Rheinisches Revier
  • Herr Stefan Pfeifer, Referatsleiter für berufliche Ausbildung beim Ministerium für Arbeit Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen

Für ein einleitendes Statement wurden sie gebeten auf folgende Fragen einzugehen:

  • Welche Befunde des Berichtes sind besonders relevant für die Weiterentwicklung der beruflichen Ausbildung im Zeichen des Strukturwandels?
  • In welchen Bereichen der beruflichen Ausbildung wächst der Veränderungsdruck durch den Strukturwandel am stärksten?
  • Was muss konkret getan werden, damit die berufliche Ausbildung den Herausforderungen des Strukturwandels aktiv begegnen kann? Welche praxistauglichen Ansatzpunkte sind hier erkennbar?

Videomitschnitt der Diskussion